IV-Gutachten – Psychiatrie

Es ist jetzt ein halbes Jahr her, dass der letzte Gutachtertermin stattgefunden hat und es hat seine Gründe, dass ich erst jetzt darüber schreiben kann.

Meine drei Gutachtertermine wurden im Abstand von jeweils zwei Wochen geplant. Insoweit wurde erkannt, dass drei Termine an einem oder innerhalb weniger Tage für ME-Erkrankte nicht möglich sind, aber selbst das war zu viel.

Nach dem zweiten Termin ging es mir noch schlechter als nach dem ersten und ich habe mich nicht davon erholt. Ich musste den dritten absagen, worauf dieser um fünf Wochen verschoben wurde. Ich verstand, dass er auch noch stattfinden muss, aber wusste zu dem Zeitpunkt nicht, wie das funktionieren soll.

Was ich vom dritten Termin nach der langen Zeit noch weiss, ist, dass die Ärztin wirklich verständnisvoll war. Ich bat direkt am Anfang darum, während des Termins liegen zu können und sie hat eine Mitarbeiterin organisiert und das Zimmer kurzerhand umgebaut und das Licht ausgemacht. Sie ist dann mit mir meine Vorerkrankung durchgegangen, hat die gängigsten psychischen Erkrankungen abgefragt (Ängste, Wahnvorstellungen, Zwänge, etc.) und ist wie die Neurologin mit mir erneut durch die IV-Fragen gegangen. Sie hat mir aber erklärt, dass sie diese „unsinnige“ Fragen wie nach Militärdienst oder dem letzten Urlaub leider stellen müsse, das hat es für mich besser eingeordnet und ich habe halt alle nochmals beantwortet.

Wir waren nach ca. einer Stunde durch mit den Fragen und sie meinte, sie hätte nun noch einige Fragebogen für mich. Auf meine Frage hin, wie viele Fragen, meinte sie so ca. 120, aber sie sehe, dass das wohl nicht zielführend sei. Sie hatte zum Glück genügend Material auf das sie sich abstützen konnte und wir haben den Termin beendet.

Ich war froh, hatte ich alle drei Termine überstanden, aber auch unendlich traurig, weil ich sah, was sie angerichtet hatten. Ich lag wochenlang 23h am Tag im dunklen, alles was ich machen musste (essen, trinken, etc.) war zu viel für meinen Körper und hat PEM ausgelöst, ich kam nicht mehr aus der Spirale raus, hatte wochenlang Fieber.

Fazit

Die IV-Begutachtung insgesamt hat meinen Zustand nochmals massiv verschlechtert. Ich bin heute noch auf einen Rollstuhl angewiesen, beziehe Hilflosenentschädigung und benötige viel Hilfe im Haushalt und bei der Körperpflege.

Ich verstehe, dass es vorgegebene Prozesse gibt, die aber nun mal überhaupt nicht auf unsere Erkrankung passt. Angefangen bei langen Anfahrtswegen, zu langen Terminen, keiner Begutachtung zu Hause, bis zu keiner Anerkennung der Erkrankung usw.

Sämtliche Formulare, z.B. für die Hilflosenentschädigung orientieren sich an Personen mit Lähmungen oder geistigen Einschränkungen, als Mensch der theoretisch noch viel „kann“, wenn es nach den Formulierungen geht, aber praktisch eben nichts mehr, der fällt durchs Raster.

Mehr dazu in einem bald folgenden Übersichtsartikel zum IV-Prozess.

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