(Hinweis: Dieser Text wurde ursprünglich als Diktat festgehalten und im Nachgang mit Hilfe von ChatGPT verschriftlicht.)
Die Neuropsychologin war mir auf Anhieb sympathisch – deutlich empathischer als die Ärztin beim ersten Termin. Schon zu Beginn des Gesprächs habe ich offen geschildert, wie belastend der erste Termin für mich war. Ich habe darauf hingewiesen, dass es wichtig ist, zu priorisieren, da ich keine drei Stunden durchhalten werde.
Sie fragte, wann meine Belastungsgrenze erreicht sei. Ich erklärte, dass diese durch die Anreise und Wartezeit im Prinzip schon überschritten sei, ich aber versuchen würde, durchzuhalten, damit wir wenigstens die wichtigsten Dinge besprechen können. Ihren ursprünglichen Plan – erst ein Gespräch zu führen und danach Tests durchzuführen, passte sie flexibel an: Wir gingen direkt zu den Tests über.
Bereits der erste Test, ein einfacher Reaktionstest, war unglaublich anstrengend. Mein Puls stieg auf 120–130 Schläge pro Minute, ich musste schliesslich husten, und der letzte Durchgang musste abgebrochen werden. Danach folgten verschiedene Gedächtnistests mit Bildern, mit Wörtern, mit Zahlen. Ich konnte nicht einschätzen, wie gut oder schlecht ich abgeschnitten habe, aber ich weiss, dass meine Leistungen weit entfernt von meinem persönlichen gesunden Zustand lagen.
Bei einem Zahlenspannentest, bei dem ich Zahlenfolgen vorwärts und rückwärts wiederholen sollte, kam ich an meine Grenzen. Ich weiss noch aus früheren Zeiten, dass ich problemlos 10–15 Ziffern nennen konnte – jetzt war bei sieben (vorwärts) und fünf (rückwärts) Schluss. Mein Gehirn verlor während des Zuhörens bereits den Anfang der Zahl und ich musste mich stark konzentrieren, überhaupt bei der Aufgabe zu bleiben.
Zum Schluss wurde nochmals der Reaktionstest vom Anfang wiederholt. Ich merkte, wie meine Aufmerksamkeit deutlich nachliess. Zweimal hatte ich einen völligen Blackout. Auf dem Bildschirm stand „keine Reaktion“ – ich war wie weggetreten und kann nicht einmal sagen, ob ich gedrückt habe oder nicht. Es war, als wäre ich ein paar Sekunden nicht mehr da gewesen.
Wir sprachen danach noch kurz. Sie fragte mich, wie ich den Ablauf empfunden habe. Ich erklärte, dass ich alles gegeben habe – und dass das, was gemessen wurde, mein absolutes Maximum war. Hätten wir weitergemacht, wäre es wohl noch vor Ort zu einem Zusammenbruch gekommen. Ich habe erwähnt, dass die eigentliche Erschöpfung oft erst zuhause eintritt, wenn das Adrenalin nachlässt – und ich hatte das Gefühl, dass sie das verstand.
Nach rund 1 Stunde und 15 Minuten beendeten wir den Termin, geplant wäre er für 3h gewesen. Ich war erleichtert, dass sie auf meine Hinweise Rücksicht genommen hatte. Mein Partner, der bereits in der Umgebung gewartet hatte, holte mich ab, brachte mich nach Hause, schaute, dass ich alles habe, war noch kurz bei mir, als ich mich übergeben musste, verdunkelte meine Wohnung – und liess mich dann in Ruhe, damit ich mich erholen konnte.
Trotz der grossen Erschöpfung war dieses Gespräch für mich besser als das erste. Weil ich mich ernst genommen fühlte.
Fazit
Auch dieser Termin war extrem belastend für mich. Bereits die angekündigte Dauer von 3h haben in mir Angst ausgelöst. Hätte ich gewusst, dass die Ärzte dies flexibel meinem Möglichkeiten anpassen dürfen, hätte das bei mir im Vorfeld bedeutend weniger Stress ausgelöst.
Die Schwierigkeit für uns Erkrankte liegt auch darin, dass die allermeisten nicht wissen, wie der ganze Prozess abläuft und man auch von der IV nicht wirklich informiert wird. Man erhält einfach irgendwann ein Aufgebot mit der Information, dass man für mehrere viel zu lange geplante Termine durch die halbe Schweiz reisen soll. Mit ein wenig Empathie der Fachpersonen, könnte hier in vielen Fällen schon einiges bewirkt werden, ich versuche nun was in meiner Macht liegt, Menschen aufzuklären und zu informieren, welche Möglichkeiten es gibt.
Mehr dazu in einem bald folgenden Übersichtsartikel zum IV-Prozess.