In den letzten Jahren haben sich meine sozialen Kontakte stark reduziert. Früher traf ich Freunde spontan in der Stadt oder bei ihnen zu Hause. Doch seit ich mein Zuhause kaum noch verlassen kann, wurde es stiller um mich. Viele Begegnungen scheiterten daran, dass die Umstände sich verändert hatten – und nicht alle bereit waren, sich darauf einzulassen.
Umso mehr freute ich mich, als sich letzte Woche ein Besuch ankündigte.
Bereits zwei Tage vor dem Treffen begann ich bewusst, meine Energie zu sparen. Ich reduzierte jede unnötige Anstrengung, um am Tag des Besuchs möglichst stabil zu sein. Am Morgen stand ich auf und fühlte mich tatsächlich gut. Ich war aufgeregt, aber positiv gestimmt.
Wir führten gute Gespräche, lachten und teilten Gedanken. Zwei Stunden hatte ich mir als Obergrenze gesetzt – eine Zeitspanne, die schon ambitioniert war.
Bereits nach 20 bis 30 Minuten merkte ich zwar, wie mein Körper reagierte – Kopfschmerzen vom Sitzen, erste Anzeichen von Erschöpfung –, doch das Gespräch tat so gut, dass ich die Belastung kaum wahrnahm. Ich wollte diesen Moment nicht abbrechen. Die Begegnung war für meine Seele wie frische Luft nach langer Zeit in einem geschlossenen Raum.
Ich war mir bewusst, dass ich meine Grenze überschritt. Dass der Preis dafür erst später sichtbar werden würde. Aber in diesem Moment entschied ich mich bewusst dafür, ihn in Kauf zu nehmen.
Als mein Besuch gegangen war, verdunkelte ich die Wohnung, legte mich hin und schlief sofort zwei Stunden. Danach blieb ich noch stundenlang liegen, um dem Körper jede Möglichkeit zur Erholung zu geben. Abends nahm ich ein Medikament, das mir in der Vergangenheit oft geholfen hatte, schwere Folgen zu verhindern.
Am nächsten Morgen wachte ich aus Albträumen auf, fühlte mich aber zunächst nicht allzu schlecht. Ich stand auf, ass etwas – und dann, etwa zwei Stunden später, brach die Energie plötzlich weg. Meine Arme und Beine fühlten sich tonnenschwer an. Mein Kopf war nur noch Nebel. Ich konnte nichts anderes mehr tun, als mich wieder hinzulegen und weitere eineinhalb Stunden zu schlafen.
Den restlichen Tag über blieb die schwere Schwäche. Ein bekannter Zustand, und doch immer wieder erschütternd.
Der Preis für ein wunderschönes Treffen, das sich in meinem Herzen so leicht, so belebend angefühlt hatte.