Wer an ME/CFS erkrankt, wird früher oder später mit dem Begriff «Pacing» konfrontiert. Doch was genau verbirgt sich dahinter? Und warum ist es so entscheidend, den eigenen Alltag danach auszurichten?
Was ist Pacing?
Pacing bedeutet, die eigenen Aktivitäten bewusst so zu steuern, dass eine Überbelastung des Körpers vermieden wird. Es geht darum, innerhalb der individuellen Energiegrenzen zu bleiben – auch dann, wenn sich kurzfristig mehr möglich anfühlen würde. Ziel ist es, Schwankungen im Befinden zu reduzieren und die gefürchteten Crashs, also deutliche Verschlechterungen der Symptome, zu verhindern.
Menschen mit ME/CFS erleben nach körperlicher oder geistiger Anstrengung oft eine sogenannte Post-Exertional Malaise (PEM). Dabei verschlechtert sich der Zustand nicht sofort, sondern häufig erst Stunden oder Tage später. Pacing ist eine Strategie, um diese Verzögerung zu berücksichtigen und den Körper langfristig zu schützen.
Warum ist Pacing so wichtig?
Während gesunde Menschen ihre Belastungsgrenze oft intuitiv spüren und kurzfristige Überanstrengungen meist gut ausgleichen können, funktioniert dieser Mechanismus bei ME/CFS nicht zuverlässig. Schon eine scheinbar kleine Anstrengung kann zu einem massiven Einbruch der Energie führen, begleitet von Schmerzen, Kreislaufproblemen, Konzentrationsstörungen und einer Verschlechterung sämtlicher Symptome.
Pacing hilft, diese Zustände zu vermeiden. Studien und Erfahrungen zeigen, dass konsequentes Pacing zu einer besseren Stabilisierung des Gesundheitszustands führen kann. Manche Betroffene berichten sogar von kleinen Verbesserungen über die Zeit.
Wichtig ist: Pacing ist keine Therapie im klassischen Sinn. Es heilt ME/CFS nicht – aber es kann helfen, den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen und die Lebensqualität im Alltag spürbar zu verbessern.
Wie funktioniert Pacing im Alltag?
Pacing bedeutet, Aktivitäten und Ruhezeiten so zu planen, dass Überlastungen gar nicht erst entstehen. Dazu gehört:
- Selbstbeobachtung: Lernen, die eigenen Energiegrenzen wahrzunehmen, auch wenn sie sich von Tag zu Tag verändern können.
- Aktivitätsmanagement: Aufgaben in kleine Einheiten aufteilen, Prioritäten setzen, ausreichend Pausen einbauen.
- Vorausschauendes Handeln: Nicht erst pausieren, wenn Erschöpfung spürbar wird, sondern schon vorher gezielt vorbeugen.
Eine hilfreiche Orientierung bietet das sogenannte 3-P-Prinzip:
- Priorisieren: Was ist heute wirklich wichtig? Was kann warten oder an andere abgegeben werden?
- Planen: Aktivitäten so aufteilen, dass zwischendurch genügend Ruhezeiten möglich sind.
- Pausieren: Regelmässige Erholungspausen einlegen – auch dann, wenn man sich noch nicht erschöpft fühlt.
Pacing ist eine Herausforderung, weil es bedeutet, sich selbst auch an guten Tagen bewusst zu bremsen. Doch gerade diese Konsequenz schützt vor Rückschlägen und kann dazu beitragen, mehr Stabilität im Alltag zu gewinnen.