Ein Erfahrungsbericht und wissenschaftlicher Überblick
In den letzten Jahren hat die sogenannte Intervall-Hypoxie-Hyperoxie-Therapie (IHHT) zunehmend Aufmerksamkeit in der Behandlung von chronischen Erkrankungen wie ME/CFS erhalten. Auch ich selbst habe über ein halbes Jahr hinweg IHHT gemacht und möchte hier meine Erfahrungen teilen – sowie einen Überblick über die Funktionsweise und die wissenschaftliche Evidenz geben.
Was ist IHHT?
IHHT steht für «Intervall-Hypoxie-Hyperoxie-Therapie».
Dabei wird der Körper in kurzen, wechselnden Phasen kontrolliert einem niedrigeren Sauerstoffgehalt (Hypoxie) und danach einem erhöhten Sauerstoffgehalt (Hyperoxie) ausgesetzt. Diese Wechsel sollen auf zellulärer Ebene Anpassungsprozesse auslösen, die unter anderem die Mitochondrienfunktion verbessern, die Entzündungsneigung senken und die Regeneration fördern.
Vereinfacht gesagt: Durch das gezielte Training lernt der Körper, mit Sauerstoffmangel besser umzugehen – und das kann auf lange Sicht Energieproduktion und Zellgesundheit positiv beeinflussen.
Ablauf einer IHHT-Sitzung
Eine IHHT-Sitzung findet in der Regel im Liegen oder bequemen Sitzen statt. Dabei wird eine Atemmaske getragen, über die die wechselnden Sauerstoffmischungen verabreicht werden. Der Ablauf ist standardisiert:
- Einstiegsmessung: Zu Beginn wird geprüft, wie der Körper auf Sauerstoffveränderungen reagiert (Puls, Sauerstoffsättigung).
- Intervallphase: Im Wechsel werden Phasen mit reduzierter Sauerstoffkonzentration (z.B. 9–14 %) und erhöhter Sauerstoffkonzentration (ca. 35 %) eingeatmet.
- Überwachung: Während der gesamten Sitzung werden Puls und Sauerstoffsättigung kontinuierlich überwacht.
- Anpassung: Die Länge und Intensität der Hypoxie-Phasen wird individuell angepasst – besonders bei ME/CFS ist es wichtig, sehr langsam und vorsichtig zu starten.
Eine Sitzung dauert typischerweise zwischen 30 und 60 Minuten.
Meine persönliche Erfahrung
Ich selbst begann mit sehr kurzen Hypoxie-Phasen und langen Erholungszeiten. Bei ME/CFS ist die Belastungsgrenze schnell erreicht, und eine zu intensive Reizung kann mehr Schaden anrichten als Nutzen bringen. Über Wochen hinweg wurde die Dauer der Hypoxie-Phasen schrittweise erhöht – immer mit grosser Achtsamkeit auf die körperlichen Reaktionen.
Für mich war IHHT keine «Wundertherapie», aber ich spürte über die Monate eine leichte Verbesserung der Erholungsfähigkeit und eine gewisse Stabilisierung meines Energieniveaus.
Was sagt die Wissenschaft?
Eine aktuelle Studie von Doehner et al. (2024), veröffentlicht im Journal of Cachexia, Sarcopenia and Muscle, untersuchte die Wirkung von IHHT bei Patientinnen und Patienten mit postviraler Fatigue.
Die Ergebnisse zeigten:
- Signifikante Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit
- Reduktion der Fatigue-Symptome
- Verbesserung der Mitochondrienfunktion auf zellulärer Ebene
Diese Resultate deuten darauf hin, dass IHHT eine wirksame Massnahme sein kann, um die Belastbarkeit und Energieproduktion bei Menschen mit chronischer Erschöpfung zu unterstützen.
Die vollständige Studie ist hier einsehbar:
👉 Doehner et al., 2024 – IHHT improves fatigue and mitochondrial function
IHHT als Teil eines Gesamtkonzepts
IHHT kann eine wertvolle Ergänzung zur Behandlung von ME/CFS sein – ersetzt aber keine grundlegenden Massnahmen wie konsequentes Pacing, Reizreduktion oder achtsame Selbstfürsorge.
Erfolgversprechend ist IHHT insbesondere dann, wenn sie individuell angepasst, gut überwacht und eingebettet in ein ganzheitliches Management erfolgt.
Fazit
IHHT ist eine vielversprechende Therapieoption, die bei richtiger Anwendung helfen kann, die Belastbarkeit schrittweise zu verbessern. Gerade bei ME/CFS ist es entscheidend, mit äusserster Vorsicht und unter erfahrener Begleitung zu starten.
Jede kleine Verbesserung zählt – und kann ein wichtiger Schritt zurück zu mehr Stabilität und Lebensqualität sein.